Hans Werner Geerdts

Hans Werner Geerdts

geerdts3Zum wiederholten Mal zeigt das Museum eine Ausstellung mit Werken von Hans Werner Geerdts (1925 Kiel – 2013 Marrakesch). Nach Schulzeit, Kriegseinsatz und Gefangenschaft studierte er an der Pädagogischen Hochschule seiner Heimatstadt. Dem nachfolgenden Lehrerberuf blieb er nur kurze Zeit treu. Als er beamtet werden sollte, floh Geerdts zu Willi Baumeister nach Stuttgart, um bei ihm Malerei zu studieren. Als er sich 1956 auf einer Reise nach Bagdad befand, erhielt er die Nachricht vom Tode seines Lehrers und blieb zunächst an seinem Reiseziel. Nach dreijährigem Zwischenspiel auf Formentera landete er schließlich in Marrakesch, das ihn nie mehr losgelassen hat.

geerdts1Es ist durchaus angebracht, Geerdts einen frühen Aussteiger zu nennen. Er fügte sich nicht ins Normenmuster westlicher Zivilisation; er wollte frei sein, um malen zu können: Bilder von Menschen und vom Menschen. Die Quelle der Inspiration lag direkt vor seiner Haustür, der Djemaa el Fna, ein zentraler Platz, auf dem täglich Wahrsager, Schlangenbeschwörer, Magier, Geschichtenerzähler, Musiker und Gaukler ihr Publikum um sich versammelten. Die Ballung von Menschen um eine Mittelpunkt, die konzentrische Anordnung von Leibern war sein Thema, hier fand er den Schlüssel für den kompositorischen Bau seiner Bilder. Man blickt auf ein Gewirr von Menschen, die herbeilaufen und wieder auseinanderstreben, um sich erneut um eine Mitte zu versammeln. Die so entstandenen Bilder bilden einen dynamischen Prozess ab, das konvulsivische Zucken der Natur mit ihrem Rhythmus aus Bewegung und Erstarrung.

geerdts2Thema ist also der Mensch in der Menge. Es geht um die Beschwörung und Bestimmung des Einzelnen im Gewimmel der Vielen. Auch wenn man auf einem Bild hunderte von Personen antrifft; jede ist von jeder verschieden. Was sie bestimmt und zum Individuum macht, sind ihre Bewegungen, die wie ein Zug, wie ein Hauch oder Hieb in der Luft hängen bleiben. Es ist der biologische Rhythmus jedes Einzelnen, der Geerdts interessierte und der auf seinen Bildern in Momentaufnahmen erstarrt.

Seine Kunstwerke sind Bildnisse vom Mythos des Menschlichen. Auf anmutige, leichte und auch augenzwinkernde Weise triumphiert darin das Kreatürliche über das Zivilisatorische. Geerdts Kunst legt ein Zeugnis ab vom tumultuösen Fest, das wir gemeinsam feiern, und das wir Leben nennen.