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Moderne europäische Druckgrafik

André Daffon, Ohne Titel, Farblithografie
André Daffon, Ohne Titel, Farblithografie
A. Paul Weber, Wir sind über`n Berg, Lithografie
A. Paul Weber, Wir sind über`n Berg, Lithografie
Willem Grimm, Rummelpott vor der Türe, Holzschnitt, 1970
Willem Grimm, Rummelpott vor der Türe, Holzschnitt, 1970

druckgrafik04Sonntag, 5. März 2017
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Moderne europäische Druckgrafik privater Spender
Dauer der Ausstellung bis 28. Mai 2017

Die Ausstellung zeigt Drucke und Grafik von Louis Cane, André Daffon, Lyonel Feininger, Toni Fertonani, Ernst Fuchs, Gabriele Grasse, Willem Grimm, France Hilon, Tom Hops, Oskar Kokoschka, Dick van Luijn, Henri Matisse, Emil Nolde, August Ohm, Ursula Querner, Hans Martin Ruwoldt, Grete Schildknecht, Jean Solombre, A. Paul Weber u.v.a.m.

Hans Werner Geerdts

Hans Werner Geerdts

geerdts3Zum wiederholten Mal zeigt das Museum eine Ausstellung mit Werken von Hans Werner Geerdts (1925 Kiel – 2013 Marrakesch). Nach Schulzeit, Kriegseinsatz und Gefangenschaft studierte er an der Pädagogischen Hochschule seiner Heimatstadt. Dem nachfolgenden Lehrerberuf blieb er nur kurze Zeit treu. Als er beamtet werden sollte, floh Geerdts zu Willi Baumeister nach Stuttgart, um bei ihm Malerei zu studieren. Als er sich 1956 auf einer Reise nach Bagdad befand, erhielt er die Nachricht vom Tode seines Lehrers und blieb zunächst an seinem Reiseziel. Nach dreijährigem Zwischenspiel auf Formentera landete er schließlich in Marrakesch, das ihn nie mehr losgelassen hat.

geerdts1Es ist durchaus angebracht, Geerdts einen frühen Aussteiger zu nennen. Er fügte sich nicht ins Normenmuster westlicher Zivilisation; er wollte frei sein, um malen zu können: Bilder von Menschen und vom Menschen. Die Quelle der Inspiration lag direkt vor seiner Haustür, der Djemaa el Fna, ein zentraler Platz, auf dem täglich Wahrsager, Schlangenbeschwörer, Magier, Geschichtenerzähler, Musiker und Gaukler ihr Publikum um sich versammelten. Die Ballung von Menschen um eine Mittelpunkt, die konzentrische Anordnung von Leibern war sein Thema, hier fand er den Schlüssel für den kompositorischen Bau seiner Bilder. Man blickt auf ein Gewirr von Menschen, die herbeilaufen und wieder auseinanderstreben, um sich erneut um eine Mitte zu versammeln. Die so entstandenen Bilder bilden einen dynamischen Prozess ab, das konvulsivische Zucken der Natur mit ihrem Rhythmus aus Bewegung und Erstarrung.

geerdts2Thema ist also der Mensch in der Menge. Es geht um die Beschwörung und Bestimmung des Einzelnen im Gewimmel der Vielen. Auch wenn man auf einem Bild hunderte von Personen antrifft; jede ist von jeder verschieden. Was sie bestimmt und zum Individuum macht, sind ihre Bewegungen, die wie ein Zug, wie ein Hauch oder Hieb in der Luft hängen bleiben. Es ist der biologische Rhythmus jedes Einzelnen, der Geerdts interessierte und der auf seinen Bildern in Momentaufnahmen erstarrt.

Seine Kunstwerke sind Bildnisse vom Mythos des Menschlichen. Auf anmutige, leichte und auch augenzwinkernde Weise triumphiert darin das Kreatürliche über das Zivilisatorische. Geerdts Kunst legt ein Zeugnis ab vom tumultuösen Fest, das wir gemeinsam feiern, und das wir Leben nennen.

Cooking for the Tourists

nachbilder_2011Sonntag, 11.9.2016
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
„Cooking for the Tourists“
Malerei und Installation von Katrin Magens
Dauer der Ausstellung bis 13. November 2016

„Cooking for the Tourists“

 

Am Anfang stand der Wunsch in ein Land zu reisen, in dem Menschen noch weitgehend unberührt von westlicher Zivilisation leben. Als sich 2009 die Möglichkeit bot, Papua-Niugini zu besuchen, griff Katrin Magens zu und reiste wie 100 Jahre zuvor Emil Nolde, um auf seinen Spuren Orte und Volksstämme zu besuchen, die uns Hiesigen noch immer fremd und verschlossen entgegen kommen.

Faszination und Irritation hielten sich auf dieser Reise die Waage: Ahnenkult, Muschelgeld, Steinschleudern und Maskentänze einerseits; Handys, Plastiktüten, Geldautomaten und Reklameschilder andererseits. Diese offenkundigen Brüche im Lebensalltag der Papuas beschäftigten die Künstlerin über ihren Aufenthalt hinaus und drängten im heimischen Atelier zum künstlerischen Tun.

Entstanden sind dabei überaus eindrucksvolle Holzschnitte, von acht Druckstöcken gefertigt,  vier gelb- und vier schwarzfarbigen. Die dominierenden Brauntöne spiegeln dabei ihre Erinnerungen etwa an Maskentänze wieder, an die Kontraste von Feuer und Dunkelheit, aber auch das Wissen, um die Auflösung einer lange unberührten Kultur.

„Meine Bilder sind nie eindeutig, sie zeigen immer Überlagerungen verschiedener Wirklichkeiten“, so die Künstlerin. Bei aller Wehmut über das Versiegen einer autochthonen Kultur bleibt doch die Erinnerung daran, die im künstlerischen Werk wirksam wird und unsere Lebenswirklichkeit bereichert.

Katrin Magens Bilderwelt zeigt einmal mehr nachdrücklich, dass es die Kulturen sind, welche die Menschen einander näher bringen. Sie künden von Ferne, Andersartigem und Neuem. Ihnen zu begegnen ist Glück und Bereicherung unserer Lebenswirklichkeit.

Katrin Magens

Geboren 1954 in Lüneburg – Studium und Diplom im Fach Grafikdesign an der Fachhochschule für Kommunikations- und Produktionsgestaltung Hannover – seit 1992 freischaffende Künstlerin – seit 1994 freischaffende Mitarbeiterin an der Hamburger Kunsthalle – seit 2002 eigene Druckwerkstätten und Galerien in Dannenberg und Ammersbek – zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland – 2012 und 2013 artist in residence an der Scuola Internationale di Grafica, Venedig.

Katrin Magens –  www.hinter-haus.de

Wandbehänge – Indonesische Textilkunst

wandbehangSonntag, 17.7.2016
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Ikat – Batik – Brokat
Traditionelle Indonesische Textilien aus der Sammlung Widmer
Dauer der Ausstellung bis 4. September 2016

 

Der weitläufige indonesische Archipel mit seinen zahlreichen Ethnien und Stämmen beherbergt eine der reichhaltigsten textilen Traditionen der Erde. Diese großartige Vielfalt besteht zum einen aus den Traditionen der höfischen Kulturen, die überwiegend auf Sumatra, Java und Bali beheimatet sind, und zum anderen aus den alten archaischen Stammestraditionen, die sich vorwiegend auf den anderen Inseln finden lassen, so z.B. auf Borneo, Sulawesi, Sumba, Flores, Timor usw.

Die Welt der traditionellen indonesischen Textilien erregte erst ab Mitte bis Ende der 1970er Jahre die Aufmerksamkeit einer breiteren interessierten Öffentlichkeit, die sofort von dem ungeheuren Reichtum der Muster und der dabei eingesetzten Techniken fasziniert war. Hierbei sind neben verschiedenen komplexen Webtechniken insbesondere die Färbemethoden durch Reservierung zu erwähnen, z.B. durch Abbinden des Garnmaterials vor dem Weben (Ikat) oder Abbinden einzelner Bereiche des fertigen Grundgewebes (Plangi) und natürlich das Reservieren durch Wachsauftrag (Batik) jeweils vor dem Färbeprozeß.

Die Vielfalt der Muster ergibt sich aus den unterschiedlichen Traditionen der lokalen Ethnien und Stämme, bei denen Textilien eine bedeutende Rolle im sozio-rituellen Kontext spielen, z.B. bei verschiedenen Übergangsritualen (Geburt, Hochzeit, Krankheit, Tod), beim rituellen Geschenkaustausch, als Grabbeigabe oder ganz allgemein als gesellschaftliche Zugehörigkeits- und Statussymbole.

Das Grundmaterial der Gewebe besteht überwiegend aus Baumwolle, allerdings wird in den höfischen Kulturen sehr oft mit Seide gearbeitet, vor allem auf Sumatra und Bali. Seltener ist die Verwendung von Pflanzenfasern.

Die in der Ausstellung zu sehenden Textilien stammen aus der Privatsammlung des Kielers Jens Widmer und wurden in den Jahren 1980 bis 1991 bei mehreren ausgedehnten Reisen in Indonesien erworben.

Bilder von Rolf Zander

Zander, Gewitter
Balje – Gewitter; Aquarel o.J.

Sonntag, 17.4.2016
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Haupt- und Nebenwege
Bilder von Rolf Zander
Dauer der Ausstellung bis 26. Juni 2016

 

Es war ziemlich genau vor einem Jahr, hier im Museum Rade, als ich Rolf Zander zum ersten Mal begegnete. Anlass war die Eröffnung der Ausstellung mit Werken des Danziger Malers Bruno Paetsch. Nach Zanders Aussage war der sein erster richtiger Lehrmeister. Bei ihm konnte sich entfalten, was schon seit frühester Kindheit angelegt war: das Talent zu künstlerischen Tun.

„Kann schon recht ordentlich malen“ stand 1940 unter dem ersten Zeugnis des Schülers Rolf Zander. Der künstlerische Lebensweg  des gebürtigen Hamburger Malers vom Jahrgang 1934 zeichnete sich somit schon früh ab.  Bruno Paetsch also, den es nach dem Krieg nach Hamburg verschlagen hatte, nahm sich seiner an, und unterrichtete ihn im künstlerischen Handwerk. Die Malnachmittage bei seinem Lehrer waren prägend für den jungen Mann, und noch heute erinnert sich Rolf Zander gerne daran. Was folgte, war ein Studium an der Landeskunstschule und ein Zweitstudium der Germanistik an der Universität seiner Heimatstadt. Es schloss sich eine Zeit als Kunsterzieher an Gymnasien an, bis er 1973 als Lehrer für Kunstpädagogik an die Hamburger Hochschule für Bildende Künste berufen wurde.

In all den Jahren hat Rolf Zander ein Werk geschaffen, das alle Techniken des künstlerischen Gestaltens umfasst. Er ist nie müde geworden, neues Terrain zu erkunden, scheute sich aber auch nicht in Spuren zu gehen, wenn es beispielsweise darum ging, sich in der Technik des Holzschnitts auszudrücken. Radierungen, Aquarelle, Zeichnungen mit Graphit oder Ölkreiden, Mischtechniken und Gouachen, Ölbilder, Collagen  und Objekte, alles das gehört zu den Ausdrucksformen Zanders, lebenslang erprobt und zur Meisterschaft gebracht.

Seine Bilder kommen leise daher, unaufdringlich und oftmals einfach lesbar, dabei sind sie von expressiver Kraft und Farbigkeit und einem Formen- und Themenreichtum, hinter dem die Leidenschaft sichtbar wird, die bis heute die Person Rolf Zander beim künstlerischen Tun festhält.

Die Ausstellung hier im Museum Rade zeigt nur einen kleinen Ausschnitt aus diesem Schaffen. Es sind vor allem Landschaften, zu Hause, wie auf vielen Reisen gewonnene bildhafte Eindrücke, die ihn zum Werk anregten.

So nimmt uns Rolf Zander beispielsweise mit auf eine Reise nach Litauen, auf die Kurische Nehrung, dieses einmalige Naturwunder, das schon seit der vorletzten Jahrhundertwende immer wieder Maler angelockt hat. Die große Düne mit dem Blick auf zwei Meere, die Sahara des Nordens mit dem vom Wind gefächelten spärlichen Bewuchs, das großartige Farbenspiel unter schnell ziehenden Wolken; das alles hinterlässt Spuren im Gemüt der Menschen, und man muss nicht unbedingt Maler sein, um diese Bilder im Inneren zu bewahren. Den Künstler aber drängen diese Bilder zum Ausdruck, zur Befestigung des Gesehenen und Erlebten.

Und wir reisen weiter, ins Gebirge nach Hirschegg, zu den alpinen  Steilwänden, schroff und nebelverhangen. Eine Zauberbergszenerie tut sich auf und wird eingesammelt wie auch die Bilder aus dem Osten, aus Polen und der Ukraine aber auch solche aus Umbrien etwa, und aus karibischen Gefilden. Häufig geht es ums Meer, um Häfen wie sie der begeisterte Segler Rolf Zander überall in der Welt kennengelernt hat. Es sind gemalte Tagebuchblätter, meist mit Ortsangaben und exaktem Datum versehen, so als wolle der Maler seinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Was wir meist an Photographien aus unseren Urlaubsparadiesen mit nach Hause bringen, sind bunte Abbilder zum Vorzeigen und Einkleben. Sie markieren eine eng gefasste Wirklichkeit; die Aura eines Ortes, einer Landschaft ist aber solchermaßen nicht herstellbar. Da hat es der Maler besser. Er liefert nicht das Abbild eines Ortes, sondern sein Bild, in welchem Erinnerungen an Menschen, Bilder, Begegnungen, Düfte und Geräusche mit gemalt sind. Da blitzt die subjektive Wahrheit hinter der Wirklichkeit auf, und erhebt das Bild zum Kunstwerk.

Aber Zanders Reisen müssen nicht immer ins Große und Weite gehen, die Landschaft daheim, Hamburg und sein Umland, der private Rückzugsort über so viele Jahre, das Örtchen Balje nämlich, sind ihm besonders lieb und wert und werden zu Bildmotiven. Und so folgen wir ihm an die Elbdeiche, zu den  Kuhlen in Balje, mit dem drohenden Gewitter am Firmament, zu den Wiesen mit den glücklich aussehenden Kühen und zu Nachbar Eduards Schuppen.

Zusätzlich zu seinen Reisebildern zeigt uns Rolf Zander eine Auswahl von Stilleben, in meist grau gehaltener, oftmals duffer Farbigkeit. Klassisch geordnet liegen Früchte auf einem Tisch vor einer Vase mit üppigem Blumenflor und dahinter stehendem erblindetem Spiegel; oder er versammelt runde und ovale Formen nebeneinander, Becher, Flaschen, Dreiecke, Röhren und Ähnliches. Manchmal sind sie in ein Regal gestellt, unordentlich geordnet die Überfülle der Formen und Farben. Die Stilleben haben nichts von Morandis Strenge, viel eher kommen sie ganz wahllos daher, so wie Dinge sich alleine und absichtslos zueinander finden. Zander gibt den Dingen ein Gesicht, löst sie aus der Unbedachtheit alltäglichen Gebrauchs und umgibt sie mit individueller Eigenheit und Stärke.

Es ist eine Kunst, die sich in Ruhe ausspricht, die nicht nach Markt und Moden schielt, sondern sich selbst genügt. Dabei ist sie von einer raffinierten Bescheidenheit, die den Blick festhält und neugierig macht auf das, was mit all dem angesammelten Gut wohl geschehen mag. Die hier zu sehenden Gegenstände sind durch Gebrauch geadelt, nicht mehr und nicht weniger, und darum schon sind sie es wert Bildgegenstand zu werden. Damit aber wird der Blick zurück gelenkt auf unseren Alltag, den wir meist unbewusst dahin leben, eben weil er ein Alltag ist.

Anfangs habe ich gesagt, dass Rolf Zander auch Germanistik studiert hat. Seine Liebe zur Literatur, zur Uneindeutigkeit menschlicher Wahrnehmung und zur raunenden Beschwörung des Lebens haben ihm viele Impulse für sein künstlerisches Schaffen gegeben. Gedichte können solche Impulsgeber sein,      etwa die des Frühexpressionisten Georg Heym, die den Maler zu großformatigen Holzschnitten angeregt haben, wie sie in dieser Ausstellung zu sehen sind. Ihnen hat die Autorin Maike Bruhns einen eigenen Katalog gewidmet, der rechtzeitig zu dieser Ausstellung erschienen ist. Darin erinnert sie noch einmal an den tragischen Tod der beiden Freunde Georg Heym und Ernst Balcke, die am 16. Januar 1912 beim Schlittschuhlaufen auf der Berliner Havel eingebrochen und ertrunken sind.

Rolf Zander vermischt in seinen großformatigen Holzschnitten eigene lustvolle Erinnerungsbilder an die Jugendzeit als begeisterter Schlittschuhläufer mit den grausigen Phantasien über den Tod im Eis der beiden Freunde. Wir blicken auf ein Gewimmel von Figuren und Dingsymbolen, auf Nachtgestalten und Maskentreiben, auf eine groteske Comédie humaine; nicht ganz geheuer diese Gesellschaft von verjährter Nervenexzentrizität, die bereits gezeichnet zu sein scheint vom kommenden Untergang in den Stahlgewittern des nahen Krieges. In den Gedichten des jungen Heym scheint all dies auf, ist zum greifen nahe und in ungeheuer steilen und eindrücklichen Sprachbildern vor uns hingestellt. Seit Ernst Ludwig Kirchners Holzschnitte zu Heyms nachgelassenem Gedichtband „Umbra Vitae“ von 1924 kenne ich keine treffenderen, so ins Innere des Heym´schen Kosmos dringenden Illustrationen, wie die hier zu sehenden Holzschnitte von Rolf Zander.

Haupt- und Nebenwege hat Rolf Zander seine Ausstellung überschrieben.  Entscheiden Sie, unser Publikum, was für Sie Haupt- und was für Sie Nebenwege sind. Diese Titelgebung evoziert einen Unterschied, der aber nicht wirklich existiert. Für den Künstler sind es durchaus gleichwertige Wege zu dem einen Ziel, im künstlerischen Werk nämlich Gestalt zu erlangen und diese in unserem Bewusstsein zu befestigen.

Museum Rade am Schloss Reinbek, 17. April 2016
Bernd M. Kraske

Katrin Zimmer – Neue Bilder

Katrin Zimmer, Büsum
Büsum

Sonntag, 21.2.2016
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Katrin Zimmer – Neue Bilder
Dauer der Ausstellung bis 10. April 2016

 

Katrin Zimmers Ausstellung mit dem schlichten Titel „Neue Bilder“ lädt ein zu einer Reise ins Land der Phantasie, ins Land auch der Formen und Farben, auf eine Reise zu erdachten und erinnerten Orten. Und diese Ausstellung zeigt unverhohlen die Freude und die Lust am Gestalten, mit Formen, Materialien und Farben sich beschäftigen zu dürfen. Sich beinahe auflösende expressive Farben und Formen führt uns die Künstlerin vor, die ganz auf Gegensätze gestellt sind; auf den Gegensatz etwa von Fläche und Linie, von Hell und Dunkel, von Harmonie und Chaos, von Ruhe und Erregung, von Offenbarung und Verschlüsselung. Die häufige Verwendung von Komplementärfarben verstärkt diesen Eindruck und macht gleichzeitig deutlich, worum es Katrin Zimmer geht. In ihrer Malerei feiert sie ein Fest der Farben, das zu aller erst; ein Fest der Malerei, die sich selbst genügt, ohne spekulative Absicht, ohne Umdeutung und Umwertung, ohne den Versuch, den Dingen und den Bildern, die sie sich davon macht, Wirklichkeiten beizulegen, die sie nicht haben. Landschaft, Interieurs, Architektur und Menschen nimmt sie so, wie sie sie sieht, reduziert sie auf meist einfache, deutlich lesbare Formen  und macht sich so ein Bild, ohne im Abbildhaften lang zu verweilen.

 Katrin Zimmer stammt aus Lübeck, ging nach der Schulzeit nach Braunschweig, um bei Alfred Winter-Rust Malerei zu studieren. Seit Jahren wohnt sie im benachbarten Aumühle und kann mittlerweile auf eine Reihe von Ausstellungen, Einzel- und auch Gruppenausstellungen, zurück blicken. Und: sie hat Sammler ihrer Bilder gefunden, ein Glücksfall für eine Künstlerin, die von ihrer Arbeit leben will.

 Was uns allen direkt ins Auge springt, ist die starke Farbigkeit ihrer Bilder. „Farben“, so hat es der Bescheidwisser von Weimar, Johann Wolfgang von Goethe, gesagt, „sind Freuden und Leiden des Lichts“. Bei Katrin Zimmer darf unbedingt davon die Rede sein, besonders die, von der Freude des Lichts. Sie gibt den Farben ihre ureigenste Bedeutung zurück und verweist auf ihre Aufgabe, nämlich Dienerin der Kunst zu sein. Und: Frau Zimmer zeigt uns in ihrer Ausstellung klar und sehr deutlich, dass Farben nicht nur Mittel zum Kunstwerk sind, sondern durchaus eigenen Gestaltwert beanspruchen dürfen. Eitempera ist ihr bevorzugtes Malmaterial, aber auch Ölkreiden, Gouachen und Zeichnungen mit Fineliner kommen in dieser Ausstellung vor.

 Da ihr das Malen an sich das wichtigste ist, kommt das Motiv, welches es darzustellen gilt, erst an zweiter Stelle. Es handelt sich dabei oftmals um wenig spektakuläre Alltagsszenen aus unserer Erfahrungswelt, oftmals um reine Erfindungen und Vorstellungen von Dingen und Gegenden, niemals in Wirklichkeit geschaut, doch oftmals erträumt und erwünscht. Solch ein Sehnsuchtsort ist das Café, ganz egal ob in Paris, Wien oder Hamburg. Immer sind es dicht bevölkerte Innenräume, Menschen an Tischen oder im Vorübergehen, eine Kellnerin huscht durch die Szene, mit gefülltem Tablett und weißer Schürze. Um sie spielt ein bewegtes Netzwerk von Farben, harmonisch aufeinander abgestuft. Diese Farben, diese Eleganz, diese ruhige Freude und Gelassenheit, diese Souveränität machen das Caféhaus zum Lieblingsort der Künstlerin. Ein ähnlicher Ort ist der Circus, auch das Theaterbistro; Freude, Erwartung, Genuss und Staunen mischen sich ineinander. Sie zeigt uns aber nicht was in der Manege oder auf der Bühne geschieht. Katrin Zimmer rechnet mit unserem Wissen und baut auf unsere Erfahrung an diesen Orten. Da es ihr auf das Sujet erst in zweiter Linie zu tun ist, legt sie eine Art Schleier über ihre Bilder, bricht sie die Stärke und Eindeutigkeiten ihrer Motive und setzt an ihre Stelle Erfahrung, Erinnerung, Gefühl für Orte und Dinge. Was so erreicht wird, ist eine gelöste Stimmung und Heiterkeit, die sich als atmosphärisch Dichtes und Ganzes offenbart.

Ein treffendes Beispiel hierfür ist das Bild „Strandkorb“. Sand, Himmel, ein zurück geklappter Strandkorb, drei Menschen im Badedress oder zumindest sommerlich leicht bekleidet, all das haben wir auf einen Blick beieinander, ohne dass auch nur ein Detail gewissenhaft genau ausgeführt ist. Es reicht die Andeutung, und schon sind wir eingefangen in die sommerliche Atmosphäre eines blau überstrahlten Strand- und Badetages und wissen doch rein gar nichts vom wer, wo und wann.

 Auch auf dem „Maiwald“ betitelten Bild wissen wir nicht, wo die im frischen Grün sich reckenden Bäume stehen. Sie sind da und es sieht so aus, als freuten sie sich zusammen mit ihrer Malerin über ihr Dasein.

 Auch wenn einmal, wie auf dem Bild „Rügen“, ein Ort konkret benannt ist, geht es nicht um erkennen, eher um erinnern oder um bildhafte Ahnung von der Insel. Eingefangen ist ein Küstenstrich, steil ansteigend, menschenleer dabei und getaucht ins diffuse Licht einer nicht benennbaren Tages- und Jahreszeit. So stellt sich die Malerin Rügen vor, und es interessiert sie nicht, ob wir die Szenerie wiedererkennen oder nicht. An die Stelle nachprüfbarer Orte stellt sie uns ihr Bild davon. In der Verweigerung des konkreten Abbildes wird eine Position deutlich, die beinahe kindlich scheu und staunend in sich hineinhorcht, hineinsieht und dabei Dinge entdeckt, Landschaften, Menschen, Gerüche, Geräusche, Bilder von einst, die nichts anderes sind als verschüttetes Leben und verschattetes Dasein.

 Katrin Zimmer malt Orte und Szenen voller Heiterkeit, voller Rausch, voller Gelöstheit und Staunen. Wir erkennen sie als solche, ohne aber konkrete Situationen zu erkennen. Diese sind allenfalls in unserer Erinnerung gespeichert, sind an unsere Erfahrungen und Begegnungen geknüpft. Katrin Zimmer stößt mit ihrer Malerei etwas in uns an, das wir längst schon kennen, weil wir es erfahren, erlebt, gesehen haben, und dessen diffuses Bild sich vor dem Angesicht ihrer Bildwerke zu klären beginnt. Der so erreichte Schwebezustand ist der zwischen der Welt des Wirklichen und der Welt der Kunst, als einer in Tiefen liegenden, meist verschütteten aber nicht weg zu leugnenden Wahrheit.

Museum Rade Reinbek, 21. Februar 2016
Bernd M. Kraske

Äthiopische Volkskunst

Äthiopische VolkskunstSonntag, 22.11.2015
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Äthiopische Volkskunst
Aus dem Fundus des Museums Rade
Dauer der Ausstellung bis zum 15. 2. 2016

 

Rolf Italiaander, der Gründer des Museums Rade, hatte in den 60er Jahren eine Sammlung von Äthiopischer Volkskunst zusammen gebracht, die an Umfang und Qualität zum Besten gehört, was man auf diesem Gebiet in Deutschland finden kann. Das Museum präsentiert nun einen repräsentativen Querschnitt aus dieser Sammlung.

Gezeigt werden Bildergeschichten und Heiligenlegenden, teils auf ausrasierten Ziegenfellen, teils auf Pergament gemalt. Es sind meist christliche Motive, so vor allem die immer wiederkehrende Darstellung des Drachentöters St. Georg. Auch die Heilige Dreifaltigkeit und die Geschichte der Heiligen Familie reizten die Maler zu immer neuen Bildwerken. Es wimmelt geradezu von Mönchen, Märtyrern, heiligen Männern und Verteidigern des christlichen Glaubens. Dabei geht es durchaus nicht immer sehr christlich zu. Es fließt viel Blut, vergossen auch von den missionierenden Bekehrern. Und: immer wieder sind es die Heiligen aus dem Morgenland und die Heilige Familie, die Bildgegenstand werden.

Besondere Beachtung findet dabei der Mythos von der Begegnung des Königs Salomon mit der Königin von Saba in Jerusalem, aus welcher der nachmalige große König David hervorgegangen sein soll. So wenig dies historisch haltbar ist, so sehr glaubten die Äthiopier daran, dass ihr letzter Kaiser, Haile Selassie, in direkter Linie von König David abstammte. So wie die Bilder von Regenten und Staatslenkern die Paläste, Rathäuser und Amtsstuben zieren, so gehörten die volkstümlichen Darstellungen von Salomo und der Sabäerin in die Zelte und Häuser der äthiopischen Landbevölkerung, ebenso, wir haben es bereits angedeutet, die Darstellungen vom Drachentöter St. Georg, der nach der frühen Christianisierung des Äthiopierreiches, etwa 400 nach Christus, zum Schutzpatron des Landes wurde. Viele Bilder zeigen ihn im Kampf mit der Schlange, dem Symbol des Bösen schlechthin. Der Kampf mit dem Drachen, auch der ist zu sehen, ist dagegen eine neue, abendländische Version des alten Mythos, der wohl durch europäische Missionare den Volksmythen amalgamiert wurde.

Aber auch profanere Themen aus dem Alltagsleben werden dargestellt und mit erklärenden Kurztexten in der vokalisierten amharischen Literatursprache des Landes versehen. Diese spricht, und die Bilder zeigen es, etwa vom Krieg der Äthiopier gegen die italienischen Besatzer Mitte der 30er Jahre, aber auch von der Jagd auf wilde Tiere, von Kinderspielen und der täglichen Arbeit auf dem Lande.

Mit besonderem Stolz verbreitet der einzig uns namentlich bekannte Maler, Salomon Balaccaw aus Goggam, die Ruhmesgeschichte des Doppelolympiasiegers Abebe Bikila auf einer 24teiligen Bildergeschichte. „Der Läufer des Löwen“ wie der kaiserliche Soldat genannt wurde, erlangte als Barfußläufer die Goldmedaille im Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom. Spätestens als er diesen Triumph 1964 in Tokyo wiederholen konnte, war nicht nur ein nationaler Heros geboren, sondern auch der noch bis heute anhaltende Mythos von den äthiopischen Wunderläufern. Abebe Bikila wurde nach seinem zweiten Olympiasieg als erster Afrikaner übrigens „Weltsportler des Jahres“ 1964. Ein Autounfall beendete 1973 sein Leben. Er wurde nur 41 Jahre alt.

Mit solcherlei Bildergeschichten zogen die meist anonymen Maler von Ort zu Ort und verkündeten die Neuigkeiten und tradierten Geschichten in den Dörfern des Landes, dessen Bevölkerung nie die Chance hatte eine Schule besuchen zu können. Die Bildergeschichten traten an die Stelle von Zeitungen, ganz ähnlich in ihrer Funktion wie die Moritaten-Malerei im bayrisch-österreichischen Alpengebiet im ausgehenden 18. Jahrhundert. Wenige Texte in der amharischen Landessprache geben zusätzlich Hilfestellung zum Verständnis des Dargestellten.

Heute sucht man solcherlei volkstümliche Kunst in Äthiopien vergebens. Christliche Überlieferungen sind im zunehmend moslemischen Staat nicht mehr erwünscht, und auch die Erinnerung an den letzten Kaiser und seine Macht- und Prachtentfaltung gehören der Vergangenheit an. Gegenwärtig bilden die koptischen Christen mit ca. 60% der Bevölkerung die Mehrheit des Landes, doch die Moslems kamen nach der letzten Volkszählung in den 90er Jahren bereits auf 30% – Tendenz steigend.

In der Ausstellung des Museums Rade wird eine längst vergessene Welt mit Hilfe ihrer vergessenen und auch verdrängten volkstümlichen Kunst wieder lebendig. Es ist eine im allerbesten Sinne naive Kunst, ausgeübt von anonymen Bauern und Handwerkern, von der Landbevölkerung, die zu der ärmsten unsere Erde zählt. Diese Armut konnte und kann allerdings nicht den Glauben an einen mächtigen Gott zerstören, heiße er nun Christus oder Allah, und, diese Armut beeinträchtigt nicht den Stolz auf die eigene Kultur und die eigenen kreativen Möglichkeiten, die immer wieder zum Ausdruck drängen.

So gesehen sind die hier ausgestellten Bildwerke Botschaften aus einer fast vergessenen Welt, aber auch Botschaften vom Sieg des Guten über das Böse, die durchaus dazu angetan sind, auch uns in dieser durch Gewalt und Mord verfinsterten Gegenwart, uns Mut zu machen.

Bernd M. Kraske

Paul Hannes, Aquarelle

Paul Hannes, AquarellSonntag, 4.10.2015
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Paul Hannes – Aquarelle und Zeichnungen
Aus Anlaß des 90. Geburtstags des Künstlers
Dauer der Ausstellung bis 15.11.2015

 

Seit nunmehr 75 Jahren malt und zeichnet Paul Hannes Landschaften. Der Naturlandschaft gilt dabei die gleiche Liebe und Aufmerksamkeit wie auch der von Menschenhand gestaltete Landschaft, der Stadt- und Architekturlandschaft. Das kann nicht verwundern, denn Paul Hannes ist von Beruf Architekt. Das künstlerische Schaffen war ihm immer ein Quell der Freude neben dem Brotberuf, ohne aber weniger wichtig zu sein oder gar leicht genommen zu werden. Das Gegenteil ist der Fall: Architektur und Bildende Kunst sind ihm gleichrangige Wege zu einem Ziel: Zeugnis abzulegen von der Schönheit alles Natürlichen und den Werken menschlichen Schöpfergeistes.

Es handelt sich also um Landschaftsmalerei im eigentlichen und besten Sinne, um Fortführung von Tradition, um Bewahrung und um Vermittlung von Werten. Das ist durchaus unzeitgemäß, liegt keineswegs im Trend, im Gegenteil: es scheint gerade so zu sein, als seien seine Bilder als Gegenbilder zum gegenwärtigen Kunstbetrieb konzipiert, so als wollten sie sagen, ganz gleich was ihr auch bildet und macht, die Wirklichkeit ist stärker, die Wahrheit ist bei den Dingen und nicht bei den Bildern, die ihr macht.

Es liegt auf der Hand, dass Landschaftsbilder ihr Entstehen oft Reiseeindrücken verdanken. Es geht zunächst lediglich darum, Erlebtes und Geschautes für sich selbst festzuhalten. Das Motiv wird vor Ort meist in Tusche oder Filzstift skizzierend festgehalten und dann im heimischen Atelier in Bad Oldesloe in freier Farbwahl ausgeführt, wobei die Farbe zunächst aufgetragen wird und danach mit der Feder hinein gezeichnet wird. Diese „Federaquarelle“ sind seit Jahren das künstlerische Aushängeschild von Paul Hannes. Auf solche Weise liefert er nicht das Abbild, sondern sein Bild eines Ortes, einer Landschaft mit deren Aura und Geist wie sie ihm begegneten.

Natürlich ist das nicht jedem gegeben. Um Künstler zu sein, muss man die nötige Aufmerksamkeit und Offenheit für das natürlich Gegebene mitbringen, man muss bereit sein das Dasein zu akzeptieren, so wie es ist. Hannes Bilder vermitteln genau diese Haltung. Und sie nähern sich ihrem Gegenstand auf behutsame, leise, aber präzise Weise. Egal ob als Bleistift-, Tusch- oder Filzstiftzeichnung, oder, wie in dieser Ausstellung, als Aquarell, Hannes gibt äußerst klare und deutlich lesbare Bilder von Landschaften und von den Spuren, welche die Menschen in ihnen hinterlassen haben.

Während seines gesamten Lebens und in seiner gesamten Produktion ist es Hannes nie darum gegangen zu überzeugen, zu argumentieren, schon gar nicht weltverbesserische Ansichten und Besserwissereien zu postulieren. Er machte sich mit keiner Modeströmung gemein, und er schielte nie nach Markt und veröffentlichter Meinung. Er wollte Architekt und Maler sein und sonst nichts, und er blieb dieser Linie treu.

Der Anfang seiner künstlerischen Produktion reicht zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, den Hannes als Soldat erlebte. Erste Bleistift- und Tuschzeichnungen entstehen, darauf ernst blickende Menschen und Tiere, Totenschädel und auch schon Häuser und Städte im Dürer´schen Duktus gezeichnet. (Beispiele davon finden Sie im begleitenden Werkkatalog.) Es scheinen Bilder der Vergänglichkeit zu sein, der Zeitfolie ihres Entstehens abgezogen, Standortbestimmungen einer nach selbstbewusster Identität suchenden Persönlichkeit.

Bald schon in den 50er Jahren ist der Stil gesichert und ausgeprägt, sind die Sujets eindeutig und klar. Die Technik wird unaufdringlich beherrscht, kleinformatige Tuschzeichnungen herrschen zunächst vor, bald aber kommt Farbe ins Spiel, zunächst als pures Aquarell auf der Grenze zur Gouache und schließlich die „Federaquarelle“, die bis heute in Hannes Kunst dominieren.

Diese bewegen sich im Laufe der Jahre immer mehr in Richtung Abstraktion. Das fertige, ausgemalte Bild wird immer seltener. Weglassungen und Aussparungen kommen  häufiger vor, die Konzentration aufs Wesentliche, auch aufs Fragmentarische durch Vereinfachung und Entfernung alles überflüssigen Gepräges wird zunehmend deutlich. Im selben Maße verlieren die Bildgegenstände an Konkretion. Eindeutig zu benennende Landschaften und Orte werden aufgegeben zugunsten gegenstandsloser, unwirklich-fantastischer Kreationen; einem höchst kultivierten Geflirr aus farbigen Kleinstflächen und netzartig darüber geworfenen Linien. Und so kommen Hannes Bilder ganz bewusst ohne Titel aus.

Immer herrscht in Hannes Schaffen Ordnung und Disziplin, aber der Bewegungsspielraum ist mit den Jahren größer geworden, das entstehende Kunstwerk behauptet zunehmend seine individuelle Freiheit und Souveränität, und sein Maler lässt sich ein auf dieses Spiel. Paul Hannes hat als Künstler die Stufe erreicht, auf der Intention und Kondition sich treffen und miteinander verbinden. Die daraus sich entfaltenden Kunstwerke zeugen vom harmonischen Einklang zwischen Natur und Mensch. Das eine überwiegt und bezwingt nicht das andere, sondern jedes Sujet ist von gleicher Bedeutung und Wichtigkeit. Menschenwerk und Natur werden nicht als denkbare Gegensätze verstanden, sondern als Werte an sich. Jedem der einzelnen Themen und Motiven gilt die gleiche ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe ihres Malers. Und so begegnet uns eine Künstlerschaft, die fern aller Spekulation und Absicht ein einziges Ziel verfolgt: Zeugnis abzulegen von der Schönheit unserer Welt. Heitere Gelassenheit und lebensfrohe Orientierung sowie Freude an Formen und Farben spiegeln sich im Werk von Paul Hannes auf´s schönste wieder.

Museum Rade am Schloss Reinbek
Bernd M. Kraske

Hanno Edelmann, Holzschnitte & Radierungen

Junge Frau, Holzschnitt, 1991
Junge Frau, Holzschnitt, 1991

Sonntag, 26.7.2015
11:30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Hanno Edelmann: schwarz – weiß
Holzschnitte & Radierungen
Dauer der Ausstellung bis 13. September 2015

 

Hanno Edelmann war ein entschlossener Einzelgänger, ein ernsthaft Unzeitgemäßer, eine äußerst sensible Künstlerpersönlichkeit, der nichts so wichtig war, wie die eigene Arbeit, das künstlerische Gestalten. Ganz gleich ob er sich als Plastiker, Maler oder, wie in dieser Ausstellung, als Radierer und Holzschneider ausdrückte, immer ging es ihm um den Menschen; als Einzelnen und auch als Einzelgänger, der Mensch aber auch in seiner Beziehung zum Anderen, zu den Anderen, verbunden mit ihnen durch Zufall, durch Zeit und Raum.

Selten nur begegnen uns dabei seine Menschen losgelöst vom Medium der Kunst. Immer ist ihre Aura um sie, ist sie die große mütterliche Mittlerin und Lenkerin menschlichen Tuns. Edelmanns Menschen malen, musizieren, lesen, spielen und führen scheinbar endlose Gespräche miteinander. Sie führen ein äußerst kultiviertes Leben, das aber keineswegs nur als heil und gesund anzusprechen ist. Ihr Tun geschieht meist verschämt und heimlich, so als wollten sie sich nicht stören, sich hinter vorgezogenem Vorhang nicht überraschen lassen bei subversiver Beschäftigung und verbotenem Treiben. Und, es trieb ihn immer wieder dazu Venedig als Motiv zu nutzen, das Leben in der Serenissima, das ihm geradezu beispielhaft war für die Verbindung von Schönheit und Untergang, getreu den Zeilen von August von Platen Hallermünde: „Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheim gegeben…“. Aber auch in Griechenland fand er ein Arkadien, in welchem Mensch und Landschaft  als unverbrüchliche Einheit existieren konnten und ihren Tagträumen nachhängen durften.

Was hier wie da geschieht, scheint nicht ganz geheuer, immer aber interessant. Eine Atmosphäre verjährter Nervenexentrizität und neurotischer Unterteuftheit macht sich breit.  So, könnte man behaupten, sähe es im elfenbeinernen Turm aus, der Fluchtburg des Schönen, des Geistes und der Moral. Aber – sind Edelmanns Menschen denn wirklich Aussteiger und Außenseiter, oder sind sie doch eher Verfolgte und an den Rand Gedrängte, ausgespuckt und verachtet von den Gesunden, Blonden und Blauäugigen, den Erfolgreichen und Starken?

Der Verdacht zumindest legt sich nahe. In seinen Werken wird bildhaft vor Augen geführt, was ehedem die Literatur beschäftigte und in Atem hielt: der Gegensatz von Kunst und Leben, die Schwierigkeit, als Künstler auch Bürger sein zu dürfen. Der Kunst schien ihre Abgegrenztheit vom alltäglichen Leben, von den Wonnen des Gewöhnlichen, inhärent. Hanno Edelmann war als Künstler frei und menschenstolz genug, um dies so zu sehen. Er war Künstler und nicht Macher oder Produzent. Kunst, so wusste er, kommt eben nicht von „können“, sondern von „künden“. Der Künstler ist eben ein Künder, einer, der die Wahrheit über die Welt und unsere Rolle in ihr kennt und ausspricht, was bei ihm hieß: malen, radieren, schneiden und modellieren.

Hanno Edelmann, 1923 in Hamburg geboren und dort im Juli 2013 gestorben, war seiner Vaterstadt zeitlebens treu geblieben. Hier hatte er studiert, hier hatte er seine künstlerische Ausbildung erhalten, bei Willem Grimm. Bei Werner Haftmann und anderen. Natürlich teilte auch er das Los seiner Generation: Krieg und Gefangenschaft musste er in Frankreich und später in Russland, in Sibirien zumal, erleiden. Vielleicht war es das Medium der Kunst, das ihm Antwort gab auf die Fragen nach diesem Geschehen, nach der Verantwortung dafür und der Suche nach einem Weg, solcherlei Menschenschinderei nicht nochmals zuzulassen. Vielleicht liegt auch hier der Grund dafür, dass die von Edelmann dargestellten Menschen oft Künstler und Außenseiter sind. Ihre Leiden, so wusste er aber auch, beraubt sie keineswegs ihres natürlichen Adels. Leidende sind Auserwählte eben auch, und das gibt ihnen Hoffnung, Stärke, Duldsamkeit und Auftrag. Wie sonst konnte ein junger Mann wie Hanno Edelmann nach Absolvierung seines Studiums ein Leben als Maler führen, als freischaffender Künstler, wie wir meist sagen, um etwas ganz Ungewöhnliches an diesem Vorgang zu unterstreichen, die Tatsache nämlich, dass hier jemand auf das bisschen bürgerlicher Sicherheit pfiff, um frei und ungebunden zu sein, für die selbst auferlegte Lust und Last, nur Künstler sein zu wollen und sonst nichts?

Dank einer gute und gnädigen Führung von oben hatte er diesen Weg lange und gut gehen können, eng begleitet und unterstützt durch seine Frau Erika, die selbst Künstlerin ist. Hanno Edelmann war ein bekannter Mann, dessen Oeuvre in unzähligen Ausstellungen zu sehen war und noch immer ist, dessen Werke in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden sind. Bei allem äußeren Erfolg war er dennoch ein durchaus bescheidener Mensch, einer, dem das Gespräch, das Reden wie das Zuhören wichtig waren; der sich umgab mit Bildern, Büchern und Plastiken, der musizierte und komponierte, dem ein Leben ohne und außerhalb der Kunst nicht möglich war.

Sein künstlerisches Werk ist dabei äußerst vielseitig. Neben den Holzschnitten und Radierungen, denen diese Ausstellung gewidmet ist, sind es vor allem großformatige Bilder in Öl, Aquarelle und Zeichnungen, dazu Plastiken aus Bronze, von denen einige wenige unsere Ausstellung schmücken. All dies bildete und erschuf Hanno Edelmann nebeneinander, indem er jedem Einzelwerk die gleiche Aufmerksamkeit und Achtung schenkte, die es brauchte, sich zu entwickeln, zu wachsen, bis zur Endform. Als Künstler war er dabei zu wach und klug, um nicht zu wissen, dass jedes Kunstwerk seinen eigenen Willen hat, dass dieser durchaus unabhängig ist vom Willen des Malers, der Medium ist, von dessen Inspiriertheit und Individualität das Kunstwerk dennoch abhängig bleibt und ohne sie nicht in der Welt wäre.

Und Hanno Edelmann war sich immer bewusst, dass sein Tun auch Spiel bedeutet, dass ihm Kindlichkeit und Ernst anhaftet, aber auch der Sinn für Spaß und Spott, für augenzwinkernde Fröhlichkeit und spritzende Ironie. Achten Sie nur auf die Titel, die er seinen Werken gab. Sie erklären oftmals neutral und schlicht, treiben aber auch Spott, manchmal gar mit Entsetzen. Wie sonst wären solche Radierungen wie „Pöseldorferinnen“, „Arsen und Spitzenhäubchen“, „Der geschenkte Gaul“, „Zwei, die etwas auf der Bank haben“ oder auch „Kellergeister“ und „Artisten“, um nur diese zu nennen, überhaupt erst denkbar? Zuletzt sind diese Titel natürlich Vehikel, die helfen sollen, dem Unbenennbaren einen Namen zu geben, auf die Doppelbödigkeit der Aussage des Kunstwerks hinzuweisen, auf seinen Dualismus, der ihm tief innerlich eignet. Es ist der Dualismus von Frau und Mann,von Weisheit und Narretei, von Liebe und Tod, aber auch der von schwarz und weiß, von gestaltet und leer, von Farbigkeit und Monochromie, um den die Werke Edelmanns schon immer kreisten, und auch immer halten sie dabei die Ballance zwischen den sie bestimmenden Einflußsphären.

So verweist uns Hanno Edelmann letztlich auf uns selbst. Wir sind in der Welt, uns ist sie übergeben, nicht zur Heimsuchung, Ausplünderung und Ausrottung, sondern um ihr ein menschliches Antlitz zu verleihen. In der Imagination des Künstlers, in seinem Werk vollzieht sich diese Aufgabe symbolhaft, wie überhaupt alle Kunst symbolisch verantwortlich ist und bleibt, für das, was wir tun.

Hanno Edelmann zeigte, dass Ästhetik nicht ohne Ethik auskommt. Er konfrontierte uns auf seine Weise mit der Wirklichkeit, um die es nicht immer zum Besten steht, aber er spendete auch Trost und Zuversicht, indem er etwas vermittelte von der höheren Heiterkeit allen Seins, das zu erreichen unser aller Ziel sein sollte.

Museum Rade am Schloss Reinbek, Sonntag, 26. Juli 2015
Bernd M. Kraske

Malerei von Marlene Jahn

Jahn, Figuren
Figuren-Rhythmus, Öl, Eitempera/Lwd, 2006

Sonntag, 17.5.2015
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Wege ins Unbekannte
Malerei von Marlene Jahn
Dauer der Ausstellung bis 19.7.2015

 

 

Die Hamburger Künstlerin Marlene Jahn ist bei uns in Reinbek längst keine Unbekannte mehr. In den Jahren 1991, 2006 und 2012 waren ihre Werke im Schloss zu sehen. Davor und dazwischen liegt eine lange Reihe von Einzelpräsentationen ihrer Bilder; etwa im Kunstverein Zweibrücken, im Internationalen Congress Centrum Berlin, im Schwedenspeicher-Museum Stade, im Grand Palais-Salon de Mai-Paris, im Istituto di Cultura in Bologna, im Kunstverein Husum, bei der Internationalen Biennale in Fulda, in den Museen Eckernförde und Bad Schwartau, im Schloss Ritzebüttel, Cuxhaven und in diversen Galerien in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Berlin, Bremen, um nur diese zu nennen.

Mache dieser Ausstellungen habe ich begleiten dürfen und jedes mal hatte ich eine neue, eine ins Ungefähre fortentwickelte Ausstellung vor Augen. So auch diesmal. Dabei ist Marlene Jahn ihren Themen weitgehend treu geblieben, der Mensch versteckt und auch verstrickt im Gewimmel der Vielen; die Landschaft im Süden und die von aller Gegenständlichkeit losgelösten Farbspiele. Schon immer schwebten ihre Tableaus zwischen Abstraktion und Konkretion, allerdings verschieben sich die Akzente mit zunehmender Dauer in Richtung auflösender Abstraktion hin zum Informel.

Diese Malerei ist ganz und gar auf Gegensätze gestellt: auf den Gegensatz etwa von Hell und Dunkel, von Linie und Fläche, von Harmonie und Chaos, von Ruhe und Erregung, von Offenbarung und Verschlüsselung. Die handwerkliche Palette, über die Marlene Jahn verfügt, kann sich sehen lassen: Ölfarbe, Eitempera, Aquarell, Pastell, Kohle, Kreide und Graphit stehen ihr zu Gebot, und sie verfügt souverän und sehr eigenständig darüber, indem sie subtile Kombinationen, Vermischungen also, schafft, die sich ganz und gar in den Dienst der Themen stellen und ihre innere Wesenheit somit an die Oberfläche bringen. Es sind also Gegensätze die Marlene Jahns Bilder so reizvoll machen, die unsere Sinne und Phantasie beschäftigen, die aber auch zur Verwirrung und Ratlosigkeit führen können, nicht allerdings im ästhetischen, sondern immer nur im Logischen, im Beziehungssinn.

Mehr als in den Ausstellungen zuvor, bleibt die Gestalt des Menschen im beinahe Unsichtbaren. „Unerwartete Begegnung“ ist beispielsweise solch ein Bild, auf dem man das menschliche Antlitz kaum mehr im Gewimmel der Formen und Farben erkennen kann. Der Mensch unserer modernen Welt hat sich weitgehend entpersönlicht, er ist Teil eines Beziehungsgeflechts geworden wie es insbesondere auf den Kohle- und Kreidezeichnungen vorgeführt wird. Selbst dort wo Menschen aufbrechen zur Begegnung und Zweisamkeit oder in Gruppen beieinander stehen, scheint eine Distanz zwischen ihnen auf, eine unsichtbare Trennschicht, die jedes Individuum ins jeweilige Alleinsein verweist. Ein zaghaftes, halbes und heimliches Empfinden, eine Sehnsucht nach dem Nächsten, nach menschlicher Wärme und Zuneigung wird dennoch deutlich.

Die graue Menge die auf dem „Aufbruch“ betitelten Bild wie auch auf dem Tableau „Jungfernstieg“ ineinander und aneinander vorbei drängt, bindet nicht so sehr individuelle Beziehung, sondern gemeinsame Bewegung, die Dynamik des überindividuellen Erlebens selbst. Nur manchmal blitzt ein wenig Rot aus dem dominierenden Grau-Weiß hervor, ein flüchtiger Hinweis auf die Erfüllbarkeit menschlichem Miteinanders, einer unerwartete Begegnung vielleicht.

Dominierend in dieser Ausstellung sind Marlene Jahns Landschaften, die sie zu farbintensiven Abstraktionen verdichtet. Schon im Eröffnungsbild „Speicherstadt“ sind Assoziationen an typische bauliche Details der Hafenarchitektur farbsatt und intensiv zu einer trunkenen Abstraktion komponiert, in der es nicht mehr um Gegenständlichkeit und ihre örtliche Fixierung geht, vielmehr um ihr Gegenteil: um flüchtiges Vorübergleiten einmal empfangener Eindrücke. Auf den Garten- und Frühlingsbildern setzt sich diese Malweise deutlich fort. Eine Überfülle an Farben und ineinander verschlungenen Formen erinnert noch von fern an üppigste Flora, und es brauchte kaum der dem Italienische entlehnte Titel, um sich sicher zu sein, einen Blick in die Gärten eines überblauten Wonnesüdens zu werfen.

Es liegt dabei auf der Hand, dass die Landschaftsbilder ihr Entstehen Reiseeindrücken verdanken. Es geht zunächst lediglich darum, Erlebtes und Geschautes für sich selbst bewahrend festzuhalten. So wie andere Menschen Urlaubslandschaften mit der Kamera festhalten, postkartengleich, so will Marlene Jahn im Medium ihrer Malerei festhalten. Die Bilder entstehen dabei ausnahmslos im Hamburger Atelier, ohne Vorlagen in Form von Fotografien oder Skizzen. Auch sollen keine geografisch wiedererkennbaren Orte gezeigt werden, sondern die Sinneseindrücke und Stimmungen, welche die Malerin von ihnen empfangen hat. Es geht um Traum und Rückbesinnung, um Hervorrufen der Atmosphäre, wie sie der Reisenden in den Sinnen und Poren ihrer Selbst hängen geblieben sind. Wir alle, die wir in bunten Bildern unsere Urlaubsparadiese mit nach Hause bringen, wir alle machen dabei die Feststellung, dass das Abbild allenfalls Erinnerungen wachrufen kann, kaum aber dazu taugt, Stimmungen, Gefühle, Atmosphäre wieder herzustellen. Da hat es die Malerin besser. Sie liefert nicht das Abbild, die krude Wirklichkeit, sondern das Bild eines Platzes, eines Ortes, einer Landschaft. Im Bild entstehen die Aura und der Geist eines Ortes, es widerspiegelt dessen Verfassung, seine Essenz. Wo sich das Abbild mit der Realität begnügen muss, spiegelt das Bild deren Wahrheit. Dies ist eine höhere Stufe der Erkenntnis.

Auf den kleinen, subtilen Aquarellen und Gouachen ist die Abstraktion des Bildhaften hin zum Informel am konsequentesten voran getrieben. Nur noch die Titel der Blätter erinnern an einmal geschaute Landschaften. Diese sind aufgelöst in ein Farbenspiel stark leuchtender Kontraste oder in eine geradezu kühl wirkende Distanziertheit, die aber doch wohl nichts anderes ist, als das Hervorrufen von Licht und Materie in seiner entrücktesten Form. Marlene Jahns Malerei zeigt die Grenze auf von Wissen und Erfahrung, von  Wahrnehmung und Verborgenem, und sie macht sich auf den Weg ins Unbekannte. Panta rhei – alles fließt, nichts darf als gesichert gelten, alles und jedes ist einem dynamischen Prozess von Werden, Vergehen und erneutem Beginn unterworfen. So alt und ewig jung dieses Wissen auch ist, die Kunst hat die sinnfällige und sinnbildliche Möglichkeit uns diesen Vorgang immer wieder klar zu machen, bietet aber auch die Gunst, für Momente davon auszuruhen.

Hierin ähnelt die künstlerische Haltung Marlene Jahns derjenigen der Expressionisten. Es hätte gar nicht erst solcher Titel wie „Aufbruch“ bedurft, um diese Assoziation herzustellen. Das Postulat der Expressionisten, dass der Weg das Ziel sei, das Beharrung und Erdenschwere nichts, der Aufbruch hin ins Unbekannte, seine Bewegung und seine Dynamik dagegen alles seien, wird hier und heute erneut eindringlich vorgeführt.

Lassen wir doch ein wenig von dieser Aufbruchstimmung in uns ein, und blicken wir auf das Leben und das Gesicht unserer Zeit. Das Bild des Menschen und allen lebendigen Seins immer wieder vor uns aufzurichten, ist Aufgabe der Kunst. Dies mit allen Sinnen aufnehmen zu können macht uns recht eigentlich zu Menschen, macht uns kulturfähig. Begegnen wir also den Botschaften der Kunst mit Menschenstolz und Dankbarkeit dafür, dass wir nicht nur sehen und begreifen können, sondern durch sie auch fähig sind, die Wahrheit hinter der Wirklichkeit zu erkennen.

Bernd M. Kraske