Ausstellung Bruno Paetsch

Bruno Patsch, Selbstporträt; Öl/Lwd., o.J. (1950er Jahre
Bruno Patsch, Selbstporträt; Öl/Lwd., o.J. (1950er Jahre)

Sonntag, 22.2.2015
11.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
Bruno Paetsch
Ein Danziger Maler
Das Spätwerk 1945 – 1976
Dauer der Ausstellung bis 3.5.2015

 

Bevor Sie Prof. Dr. Wolfgang Drost mit der Person Bruno Paetsch bekannt macht, gestatten Sie mir ein paar Worte zu dieser Ausstellung. In ihr begegnet uns ein Maler altmeisterlichen Formats. Seine Tableaus in Öl, seine Pastelle, Mischtechniken, Radierungen und Drucke erlauben einen faszinierenden Einblick in die künstlerische Ideenwelt ihres Meisters. In dieser Welt geht es klar und geordnet zu, dabei mitunter nicht ganz geheuer, immer aber interessant und überzeugend, auch und gerade dort, wo uns ein leichter Sehnsuchtsschauer anweht. Diesen nehmen wir schon darum wahr, weil uns Bekanntes begegnet, Botschaften aus der Welt der Literatur und der Mythologie zumal, frohe Botschaften vom Menschen und der Natur, Botschaften von Städten, versunkenen und neu entdeckten. Über allem weht ein Hauch von Melancholie und die Erkenntnis, dass die Welt von einst nur noch in der Erinnerung und den Geschichten von ehedem existiert.

Bruno Paetsch wendet sich diesen Geschichten zu, den Geschichten, die in der Weltliteratur und den Mythen überdauernd versiegelt liegen. Er hebt sie in sein Medium, und stellt sie uns in einfachen, stets eindringlichen Bildwerken vor. Da begegnen die großen Dramen William Shakespeares, da sind es De Costers „Ulenspiegel“ und Daniel Defoes Erzählung vom Schiffbrüchigen Robinson, Miguel de Cervantes Epopöe vom Don Quijote wird herauf beschworen und Goethes Faustdichtung. Es sind nicht die Mächtigen und strahlenden Helden um die es dabei dem Maler zu tun ist, vielmehr geht es ihm um die Antihelden, um die Schwachen und die Einzelgänger, um die Gaukler und Künstler, um die Randgestalten der Gesellschaft. Der Ritter von der traurigen Gestalt, Peregrina, die nicht dazu Gehörige, der heimkehrende verlorene Sohn, aber auch der Narr Eulenspiegel, der vertrieben umherirrende Lear, der schalkhafte Strippenzieher Puk und Mephisto, der Teufel selbst; und, schließlich, der Gestrandete Robinson.

Gerade der Robinson scheint mir eine Gestalt zu sein, mit der sich Bruno Paetsch besonders anfreunden konnte. Er ist einer, der ohne eigene Schuld aus der Zeit gefallen ist, der alles verloren hat, was Menschen doch so wichtig ist: Familie, Freunde, Heimat, ja die gesamte angestammte Zivilisation selbst. Natürlich hat das mit der Vita des Malers zu tun. Wer,  wie er, aus seiner Heimat gehen musste, wer zweifach Krieg erlebt hat, Verlust und Tod der Vertrauten ringsum, der fühlt sich einsam im Gewimmel der Vielen und Fremden, nimmt Zuflucht bei den Bildern von einst. Diese kontemplative Haltung drückt sich auch in den meisterhaft gestalteten Stilleben aus. Paetschs Altersgenosse Giorgio Morandi hat diese Kunst im Zwanzigsten Jahrhundert zu neuer strenger Blüte geführt.  Es geht um das herauf rufen von Vergangenheit, nicht so sehr ihrer kruden Wirklichkeit, als vielmehr ihrer immanenten Wahrheit. Sie gilt es im Bild zu befestigen, sie zu bewahren für die Nachfolgenden. So sind wohl auch Paetsch´s Blumenbilder und Städteansichten zu deuten, von Tübingen etwa oder des neuen Lebenshintergrunds Hamburg.

Dass es in dieser Ausstellung nur ganz wenige bildhafte Erinnerungen an seine Heimatstadt Danzig gibt mag überraschen. Die auf der Hand liegende Erklärung ist, dass es wohl viele Bilder von Danzig gab, die aber durch die Wirren von Krieg und Flucht verloren gegangen sind. Dennoch: dem Maler verblieben immerhin gut 30 Jahre in Hamburg, eine Zeitspanne, in der nochmals ein großes Werk entstehen und reifen konnte. Lediglich drei Bilder in dieser Ausstellung beschäftigen sich mit der Heimatstadt. Es scheint Scheu gewesen zu sein, die den Maler davon abhielt zu tief in der Erinnerung der Bilder zu kramen. Sie hervor zu rufen hätte auch bedeutet, sich ihren Verlust immer wieder deutlich zu machen.

Die erdichteten Gestalten aus Mythologie und Geschichte dagegen konnte einem kein Krieg zerstören, kein Menschen schändendes System auslöschen; anders die Baulichkeiten der Heimat. Diese behielt Bruno Paetsch, so mein Eindruck, tief in seinem Innern verborgen, einen  Schatz, den ihm niemand mehr nehmen konnte. Sie darzustellen, hieße, sie zu teilen, der Nachwelt preis zu geben, als Abbild der Wirklichkeit, nicht aber als Zeugnis der Wahrheit.

Der Maler wollte in seinem Werk nichts verklären, keine rückwärts gewandte Utopie postulieren, sondern sich in seiner Malerei nur ruhig aussprechen dürfen. Malen war für ihn Zeugnis ablegen vom Schöpfergeist der Natur und des Menschen darin.

Nun darf ich Sie, verehrter, lieber Herr Professor Drost bitten, uns die Person des Malers Bruno Paetsch näher zu bringen.